Hinze-Kunze-Roman von Volker Braun und Horns Ende von Christoph Hein.
In der DDR erschienen zwischen Sommer 1985 und Frühjahr 1986 zwei Romane, denen gemein war, dass sie mehrere Jahre von der Zensur zurückgehalten wurden, bevor sie veröffentlicht werden konnten: der Hinze-Kunze-Roman von Volker Braun und Horns Ende von Christoph Hein. Auf den ersten Blick verbindet diese beiden Romane nicht viel, denn sie unterscheiden sich deutlich in Sprache, Stil und Thematik. Doch ihre jeweilige Struktur erwies sich im Hinblick auf den ethischen, ästhetischen und politischen Kanon der DDR als problematisch.
Halten wir uns die Fakten vor Augen:
Volker Braun überreichte sein Manuskript 1981 dem Mitteldeutschen Verlag und Christoph Hein das seine 1983 dem Aufbau Verlag.
Nach langwierigen Verhandlungen zwischen dem Ministerium für Kultur, dem Mitteldeutschen Verlag und dem Autor Volker Braun gelangte der Hinze-Kunze-Roman am 27. Juli 1985 zum ersten Mal in den Buchhandel. Am 12. September ordnete das Ministerium ab, die Auslieferung einzustellen und die Anzahl noch vorhandener Exemplare zu melden, wies jedoch gleichzeitig auf eine Buchpremiere am 26. September in der Brecht-Buchhandlung in Berlin hin.
In Übereinstimmung mit dem Vertrag zwischen dem Aufbau Verlag und Luchterhand, in welchem dem westdeutschen Verlag die Rechte für eine Lizenzausgabe – sowie die Rechte für Westeuropa – übertragen wurden, erschien Horns Ende im Herbst 1985 in der BRD. Aufbau erhielt jedoch keine Genehmigung, das Buch zum geplanten Termin zu veröffentlichen. Sechs Monate später wartete das fertig gedruckte Buch immer noch auf die Erlaubnis für die Auslieferung an den Buchhandel. Im Frühjahr 1986 tauchte es dann plötzlich in den Buchhandlungen auf und war innerhalb weniger Tage vergriffen. Ein Nachdruck erfolgte nicht.
Welches waren die Gründe für die lange und beschwerliche Odyssee, auch welche die Zensur beide Manuskripte schickte?
Nach einer kritischen Lektüre von Volker Brauns Manuskript übergab ein Verlagsmitarbeiter den Text der HV (Hauptverwaltung Verlag), wo es einem »Zensor« (Professor Neubert) vorgelegt wurde, der 1984 ein negatives Gutachten erstellte, und zwar aus folgenden Gründen:
1 - »Das inhaltliche Gelingen im Sinne von eindeutiger sozialistischer Parteinahme, einschließlich des human-ethischen Anspruchs an sozialistische Literatur muss in diesem Falle leider verneint werden.«
2 – »Dabei werfen Autor-Manuskript und Gutachten komplizierte ideologische und ästhetische Fragen auf – etwa nach dem Literatur-Begriff, dem Funktionsverständnis der Literatur im realen Sozialismus hier und heute […], sowie nach der Interpretation der Kategorie Parteilichkeit, der Rolle des Kritischen als Element oder dominantes Prinzip a priori usw.«
Es folgt eine recht wirre Aufzählung aller Punkte, die dem Zensor zufolge inakzeptabel seien:
1.) Ironie als Gestaltungselement sei eine »inakzeptable Kunst-Lösung«, die dem Sozialismus »Schläge« zufüge.
2.) Der Freiheitsbegriff werde verballhornt. »Was ist Freiheit für den Autor?«, fragt der Zensor.
3.) In seiner Darstellung von Sexualität verwechsele der Autor Pornographie und Sinnlichkeit. So sei zum Beispiel die Sexszene mit der Afrikanerin »widerwärtig«.
4.) Die Schilderung der 1.-Mai-Demonstration (S. 48): Bei Braun heißt es: »Der Minister für Verteidigung übt sich im Stechschritt.« Dazu Professor Neubert: »Der Gutachter macht den sozialistischen Staat nicht zum Heiligtum, aber für einen Autor und Bürger dieses Landes und Staates gibt es wohl Grenzen ironischer Darstellung.«
Die Schilderung der Liebknecht-Luxemburg-Demonstration wird »würdelos« genannt.
»Weit im Vorfeld des Literarischen existieren politisch-ideologische Prämissen des elementaren Taktgefühls, des Anstands und der Würde – oder nicht (mehr?!)«, schreibt der Zensor und fragt, ob er sich sagen lassen müsse, dass er nichts von Literatur verstehe. Wenn dieser Beweis gelinge, gebe er gern seinen Beruf (mit Titel etc.) zurück.
5 – Die Behauptung, dass Arbeit (auch im Sozialismus) eine Entfremdung darstelle, widerspreche dem sozialistischen Standpunkt.
6 – Das Problem von Krieg – Frieden – Rüstung.
Insgesamt wirft Neubert dem Autor Mangel an Parteitreue sowie Systemkritik vor und verurteilt die hierfür gewählte Form.
Fazit des Ministeriums für Kultur: Das Manuskript wird abgelehnt. Der stellvertretende Kulturminister Klaus Höpke milderte das Urteil jedoch ab, indem er in seinem Schreiben an den Mitteldeutschen Verlag das Wort »abgelehnt« durch die Formulierung »Notwendigkeit weiterer Arbeit« ersetzt.
In einem Brief vom 8. Juli 1984 erinnert der Autor die Hauptverwaltung daran, dass sein Manuskript ein Jahr zuvor eingereicht und immer noch keine Druckgenehmigung erteilt worden sei, obwohl der Roman laut Vertrag Ende 1984 erscheinen solle. Mit einem Überschreiten dieser Frist wäre er nicht einverstanden.
Vier Monate später, nämlich am 11.12., argumentiert der Verleger in einem Brief an Klaus Höpke, dass Volker Braun ein wichtiger Vertreter der DDR-Literatur sei und zudem ein international bekannter und geachteter Autor. Es müsse alles dafür getan werden, dass seine Werke weiterhin zuerst in der DDR erschienen, denn Volker Brauns Schaffen wie auch das Verhalten des Staats ihm gegenüber würden in der BRD, in Frankreich und in anderen Ländern aufmerksam beobachtet. Es bestehe kein Zweifel, dass das Manuskript im Falle einer Ablehnung sehr schnell in der BRD und weiteren Ländern erscheinen werde. In diesem Fall würde der Roman propagandistisch gegen die DDR ausgespielt werden.
Am 4. Januar 1985 antwortet Klaus Selbig, Abteilungsleiter in der HV, dem Verleger, er wisse zwar, dass der Autor zu keiner weiteren Überarbeitung des Manuskripts bereit ist. Dennoch empfiehlt er ihm dringend, noch einmal den Versuch zu unternehmen, Volker Braun zu den gewünschten Veränderungen zu bewegen, insbesondere in Bezug auf die Szenen »Demonstration nach Friedrichsfelde« und das Friedenskapitel.
In einer Information zum Erscheinen des Buchs fasst Klaus Selbig die Situation wie folgt zusammen:
»Volker Brauns Roman ist nach mehrjährigem intensivem Ringen mit dem Autor um Veränderungen erschienen. […] Einerseits wendet sich der Autor in seinem Roman zentralen Fragen unserer gesellschaftlichen Entwicklung zu. Am Beispiel seiner beiden Hauptgestalten – Kunze, ein Funktionär, und Hinze, sein Kraftfahrer –, an ihrem Zusammenhalt als Mitglieder unserer Partei wie ihrem Verhalten als Leiter und Geleiteter, fragt er nach dem Verhältnis von Führung und Volk zum Sozialismus, von Partei und Klasse, Ideal und Wirklichkeit, dem Verhältnis von revolutionären Traditionen und ihrem Wirken in der Gegenwart. Andererseits enthält das Manuskript Züge von Resignation darüber, dass nach Ansicht des Verfassers sich viele unserer großen Ziele zu langsam verwirklichen. Mitunter kommt er zu einer schroffen Gegenüberstellung gegenwärtiger Wirklichkeit mit einem als kommunistisch vorgestellten Ideal und vernachlässigt dabei die Dialektik der gesellschaftlichen Entwicklung, was u. a. zur Folge hat, dass die Triebkräfte des Sozialismus in ihrer Wirksamkeit mehrfach historisch unzutreffend beurteilt werden.«
Mit der Übernahme der Dialogform aus Jacques der Fatalist und sein Herr verbeugt Volker Braun sich vor Diderot, dem Schriftsteller der französischen Aufklärung. In seinem Roman gebraucht er Ironie, Sarkasmus und Humor und die eine oder andere List, um voller Witz seine subversiven Ideen den Leser~innen nahezubringen. Indem er den offiziellen Jargon parodiert, bricht er mit eingefahrenen Denkmustern, kritisiert stereotype Verhaltensweisen und demontiert Klischees. Verborgen hinter der Ironie, der Parodie und dem Sarkasmus wirft der Text grundlegende Fragen auf: So hinterfragt Braun nicht nur den Literaturbegriff und die Funktion von Literatur im Sozialismus, sondern auch den Freiheitsbegriff, das Verhältnis von Gesellschaft und Individuum sowie dessen Verhältnis zur Partei. Die Dialogform selbst ist bereits subversiv, denn in der Konfrontation von Herr und Knecht, Parteifunktionär und Fahrer, entsteht eine vielfältige und vielstimmige Wahrheit. Die Rollen von Herr und Knecht kehren sich um und es entsteht ein Raum für kritische Zweifel und die Infragestellung von Gemeinplätzen. Zudem meldet sich der Autor immer wieder zu Wort und weist mit boshaften Seitenhieben auf das Auseinanderklaffen von Theorie und Praxis hin.
In seiner Rede mit dem bezeichnenden Titel »Die Verhältnisse zerbrechen«, die Volker Braun anlässlich der Verleihung des Büchner-Preises in Darmstadt hielt, betont der Autor, Büchner sei nicht darauf aus, den Zwiespalt zwischen Ideal und Wirklichkeit zu diagnostizieren, sondern sehe vielmehr die Risse, die durch die Wirklichkeit selbst gehen.
In seinem Hinze-Kunze-Roman zeigt Volker Braun eben diese Risse und Widersprüche auf.
Bei Christoph Hein ist die Ausgangslage eine andere. Horns Ende, geschrieben zwischen 1981 und 1983, ist ein vielstimmiger Roman mit zersplitterter Struktur. Seine Thematik musste unweigerlich zum Zankapfel zwischen Autor und politischen Machthabern werden.
Indem er hartnäckig die Erwachsenen über die Vergangenheit befragt, zerrt der junge Thomas Lügen und Widersprüche, Verfälschungen und Auslassungen ans Licht, auf denen der offizielle Umgang mit Geschichte beruht, eine der heiligen Kühe des Regimes. Die Reaktion blieb nicht aus: Die Zensur verbot die Veröffentlichung des Romans. In der Wochenzeitung Freitag schildert Christoph Hein im Juni 1998 die Publikationsgeschichte seines Manuskripts. Dessen verstecktes Thema sei die Geschichte und die Geschichtsschreibung, die Macht und die Macht der Interpretation, die Erinnerungen und die dazugehörigen Irrtümer, bewussten Auslassungen, Verdrängungen und Verfälschungen. Der Autor schreibt: »Zu diesem Thema gehörte, dass ich auch über Geschichtsfälschungen sprach und unter anderem von einem Verfahren berichtete, das russische Techniker erfunden hatten, um Filmdokumente nachträglich korrigieren zu können. Mit Hilfe von Spiegeln wurden missliebige Personen ausgeblendet, so dass auf die kostbaren Dokumente, die den geliebten und allwissenden Führer der Arbeiterklasse zeigten, nicht länger verzichtet werden musste, nur weil neben ihm Personen zu sehen sind, die er in seiner unendlichen Weitsicht und Güte kurz nach den Aufnahmen umbringen ließ. Die Techniker, die bereits zu Beginn des Medienzeitalters diesen Korrekturmechanismus erfanden, erhielten in aller Stille den Stalinpreis, er wurde nicht-öffentlich an sie verliehen.« Nicht allein der entsprechende Passus im Roman, sondern dessen ganze Form missfiel der Zensurbehörde, denn vielstimmiger Aufbau zeigt, dass es nicht nur eine, sondern mehrere Wahrheiten gibt und diese von der Perspektive abhängen, die man einnimmt. Der Autor fährt fort: »Zwei Jahre lang versuchte der Verleger vergeblich, dafür eine Druckgenehmigung zu erhalten. Er ließ sogar das nicht genehme und nicht genehmigte Buch bereits setzen, um damit die Zustimmung der Zensur zu erzwingen. Nichts half. Ein unbekannt gebliebener Drucker nutzte die entstandene Situation und seine Kenntnisse. Er drückte auf zwei falsche Knöpfe, so dass ein Teil des ausgedruckten Buchblocks mit einem falschen Cover versehen wurde und das komplette Buch unter einem anderen Verfassernamen und mit einem unverfänglicheren Titel in einige Buchhandlungen kam. […] Der Coup des Druckers wurde nicht öffentlich, doch der Roman blieb verboten.«
»Vielmehr arbeitete ich während der Blockierung des Romans an dem Manuskript weiter – allerdings nur mit der westdeutschen Lektorin des Luchterhand-Verlages. Ich besaß zu diesem Zeitpunkt bereits einen Computer (illegal eingeführt mit der Hilfe eines Bekannten einer westeuropäischen Botschaft). Der Computer war gegen die traditionell ausgeübte Zensur sehr hilfreich. […] Die fertige Diskette wurde nach Westberlin geschmuggelt, und ich arbeitete mit der Lektorin (Ingrid Krüger) am Manuskript, gab dem Verlag gegenüber die mit Frau Krüger vereinbarten Veränderungen als meine Reaktion auf die ostdeutschen Einwände aus und verunklarte zusätzlich alles, indem ich vor jeder neuen Abgabe die Daten für den Drucker leicht änderte, so dass die verschiedenen Typoskripte des Romans andere Seitenaufteilungen aufwiesen. Ich ahnte, dass die Zensoren nicht mehrmals das Typoskript wirklich lasen, sondern später nur noch nach den strittigen Stellen suchten. Das scheinbar stets völlig veränderte Skript ›bewies‹, dass ich daran gearbeitet hatte. Mit dem ostdeutschen Lektor (Drommer) arbeitete ich nicht, seinen Argumenten folgte ich nicht. Und zwar nicht, weil er etwa nicht gut war, sondern weil ich bei dem verschärften Druck (und die Forderungen der Zensur wurden mir stets über den Verlag und den Lektor mitgeteilt) nicht wusste, was sind seine persönlichen (durchaus schätzenswerten) Ansichten, was ist Meinung des Verlags, der möglicherweise größeren Ärger mit dem Manuskript vermeiden will, und was sind die Forderungen der Zensur. [….] Es gibt einen einzigen Satz, der auf Druck der Zensur aus diesem Manuskript gestrichen wurde: im 7. Kapitel, Kruschkatz-Passage, stand der Satz: ›Sie waren schlimmer als die Nazis.‹ Ich musste ihn ersetzen bzw. habe ihn ersetzt durch den (dann von mir bewusst farblos gehaltenen) Satz: ›Sie waren brutal.‹ Über den Original-Satz mit mir überhaupt auch nur zu diskutieren, wurde abgelehnt. Man unterstellte mir, der Satz sei meine Meinung zur DDR. Das war und ist unsinnig. Ich setzte und setze das 3. Reich und die DDR nicht gleich, aber der Kunst-Figur gab ich das Recht, so zu urteilen, denn für den Kommunisten Schneeberger muss es fürchterlich gewesen sein, von den politischen Freunden ins Gefängnis gesteckt zu werden. Verständlicherweise war für ihn die DDR-Haft bei seinen Genossen schlimmer als die KZ-Haft durch den politischen Gegner.« Im Frühjahr 1986 erschien das Buch schließlich ohne Druckgenehmigung. Es war innerhalb weniger Tage vergriffen, so schnell, dass die Behörden es nicht beschlagnahmen konnten. Dennoch entging ihnen der Vorgang nicht. So begannen die Schwierigkeiten, weniger für den Autor als für den Verleger Elmar Faber, der zu einem »Gespräch« ins ZK der SED bestellt wurde und vorübergehend seinen Posten räumen musste.
Zwei Jahre später, im November 1987, wurde die Zensur während des 10. Schriftstellerkongresses der DDR in der Öffentlichkeit diskutiert. Neben anderen wichtigen Themen wurde die Zensurfrage von einer Kommission unter dem Vorsitz von Günter de Bruyn behandelt. Christoph Hein hielt zu diesem Anlass eine berühmte Rede, in der er die schädigende Wirkung dessen anprangerte, was die Machthaber der DDR verschämt »Genehmigungsverfahren« nannten: Dieses schade den Lesern, Autoren und Verlegern gleichermaßen. Indem der Zensor sich anmaße, ein Manuskript anstelle des Verlegers anzunehmen oder abzulehnen, verhindere er die eigentliche Arbeit des Verlegers, nämlich die, ein Manuskript nach seinen literarischen Qualitäten zu beurteilen.
Am Ende seiner Rede forderte Hein eine endgültige Abschaffung der Zensur.
Widerständiges Schreiben? An anderer Stelle habe ich darauf hingewiesen, dass das politische System der DDR die Literatur instrumentalisierte, indem es ihr ethische, ästhetische und pädagogische Aufgaben übertrug. Im Laufe der Jahre kehrte sich diese Weisung, die von ganz oben kam, nämlich aus der Führungsriege der Partei, gegen ihre Urheber. Die Literatur wurde jener Ort, an dem neue und subversive Ideen zum Ausdruck kamen.
Wie Christoph Hein es in seinem Essay »Öffentlich arbeiten« beschreibt, herrschte in der DDR selbst in den achtziger Jahren noch ein eklatanter Mangel an öffentlichem Leben.
Braun und Hein waren keine Dissidenten und gehörten weder zu jenen, die freiwillig oder gezwungenermaßen das Land verließen, noch zu jenen, die sich standhaft weigerten, an der »offiziellen« Literaturszene der DDR teilzunehmen, wie jene jungen Schriftsteller~innen, die – zu Unrecht – nach dem Ostberliner Stadtteil Prenzlauer Berg benannt worden sind, in dem die meisten von ihnen wohnten. Braun und Hein gehörten keiner dieser beiden Dissidentengruppen an, und doch bewiesen sie in den hier behandelten Texten innere Freiheit und Mut. Sie formulierten kritische Ideen, wandten sich gegen die herrschende Doktrin und leisteten Widerstand gegen die Zensur.
Wenn in der DDR die Frage aufkam, warum ein Buch nicht veröffentlicht oder wieder aufgelegt wurde, lautete die Antwort häufig: Papiermangel – ein fadenscheiniger Vorwand, den Brecht in folgendem Gedicht anprangert:
Das Amt für Literatur
Das Amt für Literatur mißt bekanntlich den Verlagen
Der Republik das Papier zu, so und so viele Zentner
Des seltenen Materials für willkommene Werke.
Willkommen
Sind Werke mit Ideen
Die dem Amt für Literatur aus den Zeitungen bekannt sind.
Diese Gepflogenheit
Müßte bei der Art unserer Zeitungen
Zu großen Ersparnissen an Papier führen, wenn
Das Amt für Literatur für eine Idee unserer Zeitungen
Immer nur ein Buch zuließe. Leider
Läßt es so ziemlich alle Bücher in Druck gehen, die eine Idee
Der Zeitungen verarzten.
So daß
für die Werke manches Meisters
Dann das Papier fehlt.
NB